Jubiläum des Frauenhauses

Am 02. Oktober 2015 fand im Kurhaus eine Feier anlässlich des 30. Jubiläums des Frauenhauses Bad Schwalbach statt.

Zu diesem Anlass wurden verschiedene Reden gehalten bspw. von der Leiterin des Frauenhauses, Ilse Gießer, die wir Ihnen hier gerne zur Verfügung stellen möchten.

Diese Veranstaltung zeigte alle Höhen und Tiefen, die das Frauenhaus in den 30 Jahren meisterte und wie wichtig die Arbeit des Hauses ist.

Alle weiteren Informationen finden Sie auch in nachfolgendem Artikel.

Zeitungsartikel des Wochenblattes zum Frauenhaus-Jubiläum (veröffentlicht am 07.10.15)

Wir freuen uns, dass wir die Rede von Ilse Gießer, der Leiterin des Frauenhauses, veröffentlichen dürfen. An dieser Stelle möchten wir uns dafür bedanken.

 

"Liebe Gäste,

ich freue mich sehr, sie alle zu unserem 30jährigen Jubiläumsfest begrüßen zu dürfen.

30 Jahre Haus für Frauen in Not Bad Schwalbach– eine bedeutende Zahl –bei der es sich lohnt einen Blick zurück zu werfen:

30 Jahre Frauenhaus Bad Schwalbach – aber wie lange gibt es eigentlich überhaupt Frauenhäuser? So lange gibt es sie an sich noch gar nicht:

Das erste Frauenhaus Europas wurde 1972 in London von Erin Pizzey gegründet. Die Idee der Frauenhäuser erreichte anschließend auch die damalige Frauenbewegung Deutschlands. Diese begann das bis dahin verschwiegene Problem der familiären Gewalt anzuprangern. Durch Veröffentlichungen und Kampagnen sollte die Bevölkerung aufgerüttelt werden. Wichtig war damals, dass Gewalt gegen Frauen in Familien nicht als individuelles sondern als gesellschaftliches Problem thematisiert wurde. Es wurde über Unterstützungs- und Hilfsmöglichkeiten für misshandelte Frauen nachgedacht und so entstand 1976 in Berlin das erste Frauenhaus in Deutschland.

Laut einer Studie des Familienministeriums aus 2011 gibt es in Deutschland ca. 353 Frauenhäuser und ca. 40 Zufluchtswohnungen.

Diese ermöglichen jährlich etwa 17 000 Frauen und ihren Kindern, also etwa insgesamt 34 000 Personen Zuflucht, Schutz und Beratung.

 

Wie fing es in Bad Schwalbach an?

Anlässlich der ersten Visitation des damaligen Bischofs Kamphaus beim Bezirkscaritasverband in Bad Schwalbach, berichtete die damalige Bezirksgeschäftsführerin Thea Amann-Kranzdorf über die Situation von Frauen, die Gewalt in ihrer Beziehung erfahren. Sie schilderte die Schwierigkeiten, die misshandelte Frauen haben, um aus ihrer häuslichen Situation entfliehen zu können, da es noch zu wenige Zufluchtsstätten gab. Der Bischof hatte ein offenes Ohr für diese Problematik und forderte deshalb den damaligen Bezirksdekan auf, sich umzusehen, ob es im kirchlichen Bezirk freie Häuser für eine solche Nutzung gäbe. Innerhalb kurzer Zeit wurde dieser fündig - die Katholische Kirchengemeinde St. Elisabeth konnte ein ihr vermachtes Haus zur Verfügung stellen.

Nach vielen Gesprächen und Verhandlungen mit der örtlichen Politik, dem Land, und Behörden wurde die Finanzierung gesichert und das Haus konnte für seine Funktion umgebaut werden.

Am 2. Oktober 1985 wurde das Frauenhaus eröffnet. Im kleinen Kreis wurde es unter anderem durch den damaligen Bezirksdekan Herrn Pfarrer Schickel eingeweiht.

Schon am Eröffnungstag rief eine hilfesuchende Frau an, die dann auch aufgenommen wurde.

Seit seiner Eröffnung kommen jährlich durchschnittlich 30 – 35 Frauen mit 40-45 Kindern unterschiedlichen Alters, vom Säugling bis zum Jugendlichen zu uns.

So haben in den vergangenen Jahren insgesamt etwa 1000 Frauen und etwa 2000 Kinder Zuflucht Schutz und Hilfe im Frauenhaus erhalten.

In einem Haus, indem es 6 Zimmer gibt, aufgeteilt in zwei Etagen. In jeder Etage müssen sich die Frauen und ihre Kinder jeweils eine Küche und Bad und Toilette teilen. Im Gemeinschaftsraum ist ein bequemes Sofa mit Blick auf den Fernseher, es gibt eine kleine Kinderspielecke und ein großer Tisch mit den dazugehörigen Stühlen lädt zum gemeinsamen Essen ein. Im umliegenden Garten können die Kinder spielen, im Sommer kann verweilt und gegrillt werden.

Die Zimmer sind fast immer alle belegt, das heißt meist leben 10 bis 12 Personen in unserer Einrichtung. Oftmals müssen anfragende Frauen abgewiesen und weiter vermittelt werden.

Wir Mitarbeiterinnen unterstützen, begleiten und beraten die Bewohnerinnen und ihre Kinder.

Die misshandelten und traumatisierten Frauen erhalten vielschichtige und professionelle Hilfe, die individuell auf ihre jeweilige Situation zugeschnitten ist.

Sie werden bei psychischen, physischen, sozialen und rechtlichen Problemen beraten, praktisch unterstützt und fachkundig weitervermittelt. Dabei stehen im Focus Ganzheitlichkeit und Ressourcenorientierung, Wertschätzung und Vertraulichkeit. Die Frauen werden darin bestärkt, ihr Leben selbst aktiv in die Hand zu nehmen und ihren Handlungsspielraum zu erweitern.

Die mitgebrachten Kinder sind in einer Atmosphäre von Gewalt aufgewachsen oftmals Zeugen der gewalttätigen Übergriffe auf ihre Mutter geworden, manchmal sind sie selbst Opfer von physischer und psychischer Gewalt. Auch die Kinder bei uns im Hause haben feste Ansprechpartnerinnen, die sich um ihre Belange kümmern und versuchen ihnen den Aufenthalt im Frauenhaus so angenehm wie möglich zu gestalten.

Zur Geschichte des Frauenhauses gehört die von Anfang an notwendige Zusammenarbeit mit anderen Institutionen und Behörden. Um den Frauen und Kindern effektiv helfen zu können war und ist eine gute Zusammenarbeit mit diesen unabdingbar. Gerade in der Anfangszeit gab es aber auch sicherlich noch viele Vorbehalte und Vorurteile sowie Berührungsängste mit der Einrichtung Frauenhaus wie auch Unwissenheit über die besondere Situation misshandelter Frauen und ihrer Kinder. So war es notwendig die kooperierenden Institutionen aufzuklären und die besondere Lage der Frauen und Kinder zu verdeutlichen.

Heute hat sich mit vielen Institutionen wie mit der Polizei, mit dem Job Center, mit dem Jugendamt, mit den Schulen und Kindergärten, mit der Frühförderstelle, mit anderen Wohlfahrtsverbänden, mit Anwälten und Anwältinnen und vielen anderen (die ich hier nicht alle aufzählen kann) eine selbstverständliche und gute Zusammenarbeit entwickelt.

 

Ein Ziel der Frauenhausarbeit war und ist es, Gewalt gegen Frauen und Kinder öffentlich zu thematisieren und immer wieder in das Bewusstsein der Gesellschaft zu rücken.

So findet durch die Mitarbeiterinnen regelmäßige Öffentlichkeitsarbeit statt. Es werden immer wieder Informationsveranstaltungen zum Beispiel in Schulen und Kindergärten organisiert oder es werden Vorträge bei Gottesdiensten, bei verschiedenen Vereinen und Gruppierungen gestaltet.

Daneben hat sich im Laufe der Jahre eine breite Netzwerkarbeit in verschiedenen Arbeitskreisen entwickelt. Die aktive Mitarbeit der Pädagoginnen des Frauenhauses in verschiedensten Arbeitskreisen wie im Arbeitskreis der hessischen Trägerfrauenhäuser oder in dem sogenannten Kinderregionaltreffen oder die Mitarbeit im Arbeitskreis Häusliche Gewalt RTK, führte zur Entwicklung neuer Handlungskompetenzen und damit einhergehender Verbesserungen der aktuellen Arbeit.

Ein ständiger Begleiter der langjährigen Frauenhausarbeit war immer wieder die schwierige finanzielle Absicherung. Dies gipfelte darin, wie sicherlich von ihnen noch einige wissen, dass im Jahr 2004 durch die vollständige Streichung der bisher erhalten Landesmittel die Weiterarbeit des Frauenhauses in Frage stand.

Das damalige Team fand in seinem Kampf um den Erhalt des Frauenhauses sehr viele Unterstützer und Unterstützerinnen. Der Träger Caritasverband, örtliche Politiker und Politikerinnen aller Parteien, Mitglieder des Förderkreises, die Polizei und andere soziale Einrichtungen zeigten durch ihre Solidarität und praktische Hilfe, dass die Einrichtung Frauenhaus eine unentbehrliche und notwenige Einrichtung ist. Letztendlich konnte so mit dem Rheingau Taunus Kreis eine Lösung gefunden werden und ich freue mich sehr, dass wir 11 Jahre später dieses Jubiläum feiern können.

Ein wichtiger Bestandteil der Geschichte des Frauenhauses ist die Gründung des Förderkreises bzw. heutigen Fördervereins. Dieser wurde vor 18 Jahren auf Initiative der damaligen Leiterin des Frauenhauses – Jutta van den Boom – gemeinsam mit sehr engagierten Frauen gegründet.

Über diese vielen Jahre hinweg hat sich dieser zu einer bis heute unverzichtbaren Tragfläche für das Frauenhaus entwickelt:

Durch seine bekannten Kuchenmärkte wie zum Beispiel beim LZ Ostereiermarkt oder bei den Gesundheitstagen konnte und kann die Arbeit des Frauenhauses in all seinen Facetten unterstützt werden. So konnte innerhalb des Frauenhauses die Wohnatmosphäre wesentlich verbessert werden. Dies geschah durch finanzielle Unterstützung bei Um- und Einbauten wie zum Beispiel bei Bad- und Waschküchensanierung, bei Anschaffungen neuer Kücheneinrichtungen oder beim Einbau von Putzschränken oder ganz aktuell z.B. wurde der Aufbau einer Sichtschutzwand im Garten finanziert. Auch notwendige Anschaffungen wie z.B. der Kauf einer Industriewaschmaschine, oder zum Beispiel der Austausch defekter Kühlschränke oder die Anschaffung neuer Betten und Schränke wurden finanziert, bei der Anschaffung des neuen Busses vor zwei Jahren, hat sich der Förderverein ebenfalls beteiligt. Die Liste der letzten 18 Jahre ist sehr lang…..

Besonders wichtig ist dem Vorstand und den Mitgliedern des Fördervereins auch die Frauen und Kinder direkt zu fördern und zu unterstützen. Dies geschieht durch die Finanzierung regelmäßiger Angebote wie zum Beispiel Yoga oder Selbstverteidigung oder durch die Ermöglichung von besonderen Ausflügen.

Eine weitere wichtige Unterstützung ist die sogenannte Notfallkasse. Hier hat der Förderverein immer wieder ein offenes Ohr und eine offene Kasse um im Einzelfall schnelle und unbürokratische Hilfe leisten zu können.

Auch die immer mit einhergehende Öffentlichkeitsarbeit des Fördervereins ist ein wichtiger Beitrag. Dies hat zum Einen bewirkt, dass die Arbeit des Frauenhauses besonders in den letzten Jahren immer mehr bekannt geworden ist, aber auch, dass Betroffene vermehrt über Hilfs- und Unterstützungsmöglichkeiten bescheid wissen.

Zur 30jährigen Geschichte gehören neben dem Förderverein alle Unterstützer und Unterstützerinnen, die das Frauenhaus von Beginn an mit Geldspenden und Sachspenden und damit auch ideell unterstützt haben und unterstützen. Es sind Privatpersonen, verschiedenste Gruppierungen aus Kirchengemeinden und Vereinen, Firmen und Geschäftsleute, Behörden und Banken, die die Arbeit des Frauenhauses als wichtig und notwendig erachten. Gerade durch diese Zuwendungen können Aktivitäten und Projekte, die sonst nicht möglich wären verwirklicht werden.

Diese erleichtern die Unterstützungsarbeit mit den Frauen und Kindern und sowohl wir Mitarbeiterinnen, als auch die betroffenen Frauen merken, dass sie nicht alleine dastehen sondern dass viele Menschen Rückendeckung und Rückhalt damit geben.

30jährige Geschichte des Frauenhauses sind vor allem die Geschichten der Frauen und ihrer Kinder die dort gelebt haben.

Diese zu erzählen würde den heutigen Rahmen sprengen. Was sie mitbringen, was sie erleben und wie sie wieder unser Haus verlassen, haben wir versucht in einer kleinen Ausstellung, die sie in der Pause anschauen können, darzustellen.

Viele unserer Frauen konnten sich ein neues selbstbestimmtes Leben ohne Gewalt aufbauen – zwei unserer Frauen - Barbara und Elvira - haben ihren Wunsch nach einem gewaltfreien Leben nicht überlebt, sie wurden von ihren Ehemännern getötet. Auch ihrer möchte ich heute gedenken.

 

Diese Tötungen sind die Spitze eines Eisbergs, der leider - trotz jahrelanger Frauenhausarbeit und trotz Umdenken in Gesellschaft und in Politik zum Thema häusliche Gewalt – noch nicht geschmolzen ist.

Doch viele Menschen schauen sich diesen Eisberg an und überlegen wie er zustande kommt und sind aktiv dabei ihn abzuarbeiten.

Ein Beitrag dazu ist der Film der „Der Wutmann“, den wir ihnen anschließend vorführen möchten. In diesem Film wird Häusliche Gewalt aus Kindersicht dargestellt, mit einem märchenhaften Ende – das aber nach meiner Ansicht zukunftsweisend sein könnte. Aber schauen sie gleich selbst.

Liebe Gäste,

wir sind hier heute alle zusammen gekommen um die 30jährige Arbeit des Frauenhauses zu würdigen.

Die Einladungsliste war sehr lang - aus dem damaligen kleinen Kreis während der Eröffnungsfeier 1985 - hat sich eine sehr große Anzahl von Unterstützerinnen und Unterstützer entwickelt.

Ich freue mich, dass sie alle die Zeit und das Interesse hatten diese Einladung anzunehmen

und so möchte ich ihnen Allen ein ganz großes Dankeschön aussprechen

Vor allem aber möchte ich ein großes Danke an die Frauen aussprechen, die den Mut und die Kraft haben, sich aus der gewalttätigen Beziehung zu lösen und für sich und für ihre Kinder für ein Leben ohne Gewalt zu kämpfen.

Ich danke ihnen für ihre Aufmerksamkeit!"

 

vergangene Veranstaltungen/ Berichte

Impressionen vom LZ-Ostereiermarkt, 15.03.15

Am Sonntag, den 15.03.15. fand in der Silberbachhalle in Wehen der 29. LZ-Ostereiermarkt statt. Der Förderverein "Haus für Frauen in Not" beteiligte sich auch dieses Jahr an dieser Veranstaltung und kümmerte sich um die Bewirtung der Besucher. Das eingenommene Geld kommt dem Haus für Frauen in Not zugute.

 

Hier finden Sie den Artikel der LZ am Sonntag mit den Bildern der Veranstaltung.

Ehrenamtliche geehrt - Bundespräsident dankt Taunussteinerin Eleonore Wagner 

 

Die 68-jährige Eleonore Wagner (Foto, Mitte) aus Taunusstein wurde jetzt im Namen des Bundespräsidenten zum traditionellen Neujahrsempfang ins Schloss Bellevue in Berlin eingeladen. Mit der Einladung danken Joachim Gauck (Foto, rechts) und seine Lebensgefährtin (Foto, links) den Gästen für ihr Engagement und für ihre Verdienste um das Gemeinwohl. Joachim Gauck: "Ich danke jeder und jedem Einzelnen von Ihnen. Was Sie leisten, ist herausragend, und es ist alles andere als selbstverständlich. Mehr noch: Ihr Einsatz ist unverzichtbar für unsere Gesellschaft." Nach dem Neujahrsempfang gab es für die Eingeladenen ein Mittagessen mit Gauck und Schadt, bei dem auch noch einmal die Gelegenheit zu einigen persönlichen Worten bestand. Eleonore Wagner ist für den Förderverein für das Haus für Frauen in Not in Bad Schwalbach (sie begründete ihn vor 18 Jahren mit), bei der Tafel in Taunusstein und als Hospizbegleiterin im Hospiz St. Ferrutius in Bleidenstadt tätig. Sie sieht diese Wertschätzung als Bekräftigung, mit ihrem Ehrenamt das Richtige zu tun. Bei dem Empfang habe sie interessante Menschen kennengelernt. Sofort sei eine Verbindung durch den Geist, der alle Ehrenamtlichen antreibe, zu spüren gewesen.

 

Text und Bild entnommen aus: LZ am Sonntag

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Nächste Termine:

11.03.2018

Ostereiermarkt Taunusstein

26.09.2018

Infotag Wiedereinstieg Rathaus Wiesbaden

10.11.2018

"Chorleone" Jubiläumskonzert 4.te November Night Aartalhalle Taunusstein Neuhof der Förderverein sorgt mit für das leibliche Wohl

20.11.2018

Mitgliederversammlung Landgraf-Ernst-Haus Bad Schwalbach

 

Hier finden Sie den Bericht zum Jubiläum des Frauenhauses im Oktober 2015

Demnächst finden Sie hier den Bericht zu:

22.09.2017 Jubiläumsveranstaltung

20 Jahre Förderverein Frauenhaus im Kurhaus Bad Schwalbach